Autorität auf freundliche Art

Prof. Dr. Tim Mainhard war einer der Keynote-Sprecher beim Bildungswissenschaftlichen Tag der Universität Konstanz und der Pädagogischen Hochschule Thurgau zum Thema Interaktion im Klassenzimmer – Drei Fragen an den Experten zur Interaktion im Klassenzimmer

© Taleb Ahmadi

Das Klassenzimmer ist ein Ort voller Interaktionen – zwischen allen dort tätigen Akteuren, den SchülerInnen sowie den Lehrkräften. Beim Bildungswissenschaftlichen Tag 2018 der Binational School of Education (BiSE) und der Pädagogischen Hochschule Konstanz (PHTG) ging es um Fragen wie: Welche Aspekte dieser Interaktion haben sich als besonders relevant für gelingenden Unterricht herausgestellt? Wie können diese empirisch erfasst und in der Praxis verbessert werden? Vorträge und Workshops gaben einen Einblick in den aktuellen Stand der Forschung und entsprechende praktische Implikationen. WissenschaftlerInnen der Universität Utrecht (Niederlande) hatten großen Anteil am Gelingen des Bildungswissenschaftlichen Tags.

Der Bildungswissenschaftler Tim Mainhard von der Universität Utrecht forscht zum Thema Interaktion im Klassenzimmer und hat aktuell eine Programm-Professur für Inter-/Transkulturelle Bildung an der Binational School of Education der Universität Konstanz.

Was spielt de facto in den Interaktionsprozessen in Klassenzimmern eine besondere Rolle?

Die sozialen Aspekte von Interaktionen in der Klasse werden oft als Basis für Lernprozesse gesehen. Die Motivation der Schülerinnen und Schüler sowie ihre schulischen Leistungen hängen mit diesen Lernprozessen eng zusammen. Ein Kernaspekt dieser Interaktionen ist, wie die Lehrperson ihre Autorität ausübt: geschieht dies auf eine positive und freundliche Art und Weise oder wird diese Autorität erzwungen.

Wie sollten diese Interaktionsprozesse optimal ablaufen? Was darf nicht sein, was sollte sein?

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass stabile Interaktionen im Klassenzimmer gegenüber weniger stabilen zu bevorzugen sind und dass Autorität auf positive, freundliche Art ausgeübt und nicht erzwungen werden sollte. Je unvorhersehbarer Lehrpersonen sich im Unterricht verhalten, desto stärker erleben die Schülerinnen und Schüler negative Emotionen und desto weniger sind sie motiviert zu lernen. Das bedeutet allerdings nicht, dass Interaktionen nie von diesem Ideal abweichen dürfen. Lehrkräfte müssen ihr Verhalten auch den verschiedenen Situationen anpassen.

Wie können künftige Lehrerinnen und Lehrer auf die Herausforderungen der Interaktionsprozesse in Klassenzimmern vorbereitet werden?

Junge Lehrerinnen und Lehrer entwickeln in den ersten Jahren vor allem ihre Autorität im Klassenzimmer. Sie lernen, ihre Autorität auf verschiedene Arten auszuüben. Eine besondere Herausforderung dabei ist, Autorität zu zeigen ohne (zu) streng oder gar unfreundlich zu werden. Video-training und das Üben von bestimmten Verhaltensweisen kann dabei helfen.

Maria Schorpp

Von Maria Schorpp - 18.12.2018