Bei den Jüngsten beginnt die Zukunft

Die AG Nachhaltigkeit setzt sich im Kinderhaus an der Universität Konstanz für einen guten Umgang mit unseren Ressourcen ein. Zahlreiche Projekte wurden bereits erfolgreich umgesetzt. Ziel ist es, den Kindern ein Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit zu sein und sie zu einem umsichtigen Handeln anzuregen.
© Katrin Binner

Nachhaltiges Handeln beginnt schon im Kleinen. Zum Beispiel im Alltag unserer Kinder. Denn Menschen, denen bereits in den ersten Lebensjahren Umweltbewusstsein vorgelebt wird, entwickeln sich meist auch zu Erwachsenen, die nicht nur an sich selbst, sondern größer denken. Das Kinderhaus an der Universität Konstanz hat es sich daher auf die Fahne geschrieben, in möglichst vielen Bereichen nachhaltig zu agieren. Zur Koordinierung von Zielen, Ideen und ihrer Umsetzung hat sich 2024 die AG Nachhaltigkeit im Kinderhaus gegründet. Sie besteht aktuell aus sieben Mitgliedern, darunter Eltern, pädagogische Fachkräfte, Vorstandsmitglieder und Mitarbeitende der Universität.

Bereits im Eingangsbereich des Kinderhauses stößt man auf den ersten Berührungspunkt mit der Gruppe: Am schwarzen Brett sind aktuelle Ziele und bereits Erreichtes vermerkt. Auch das nächste Treffen ist dort terminiert. „Die AG Nachhaltigkeit trifft sich etwa alle sechs Wochen, meist eine Stunde zur Mittagszeit. Dann schauen wir uns an, wie weit wir unseren Zielen schon gekommen sind und an welchen Stellschrauben wir als nächstes drehen können“, erzählt Tanja Edelhäußer, Mitglied der AG Nachhaltigkeit. Als Teil der Verwaltung und stellvertretende Leitung des Referats für Gleichstellung, Familienförderung und Diversity der Universität Konstanz ist sie zugleich das Bindeglied zwischen Universität, Kinderhaus und Verein.

„Die AG wurde gegründet, nachdem der Vereinsvorstand bei einer Jahresklausur zum Thema Nachhaltigkeit festgestellt hat, dass Nachhaltigkeit allen sehr am Herzen liegt. So können wir das Ganze nun in koordinierte Bahnen lenken, langfristig denken und Projekte enger begleiten.“

Tanja Edelhäußer, Gründungsmitglied der AG Nachhaltigkeit im Kinderhaus

Viel Bio, wenig Fleisch, alles frisch
Eines der langfristigen Projekte betrifft die Küche des Kinderhauses, in der alle Mahlzeiten für die Kinder und die Mitarbeitenden täglich frisch zubereitet werden. So ist es möglich, das Thema Nachhaltigkeit weit zu denken: Von der Menüplanung über den Lebensmitteleinkauf bis hin zu den individuellen Portionsgrößen wird dauerhaft an einer Optimierung der Wertschöpfungskette gearbeitet. „Natürlich achten wir in erster Linie darauf, dass das Essen für die Kinder gut geeignet ist, sie es also auch gerne essen und allein dadurch bereits weniger übrigbleibt“, sagt Edelhäußer. Dass Kinder nicht nur Pommes und Fischstäbchen gerne mögen, zeigt der vielseitige Essensplan, bei dem viel Gemüse zur Tagesordnung gehört – kindgerecht zubereitet natürlich. Zum Nachtisch gibt es oft Obst. Zucker wird so weit wie möglich reduziert und auch Fleisch steht eher selten auf dem Plan.

Im Kita-Alltag und bei den Mahlzeiten versuchen die pädagogischen Fachkräfte, den Kindern einen gesunden Umgang mit Lebensmitteln zu vermitteln. „Die Kinder nehmen sich selbst ihre Portionen und dürfen sich so oft Nachschlag holen, wie sie möchten. So lernen sie, den eigenen Bedarf einzuschätzen und sich gesund zu ernähren. Auch das ist ein Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie: dass den Kindern Werte vermittelt werden, nach denen sie im Idealfall auch später noch leben“, sagt Edelhäußer.

Die Wunschliste ist lang
Das Kinderhaus ist Teil des überregionalen Projekts „Bio-Musterregionen Baden-Württemberg“ und strebt die Verwirklichung der übergeordneten Ziele an, viel Bio zu verarbeiten, regional einzukaufen und vieles mehr. Ein Ziel ist auch die Verringerung der Abfallmengen in den Küchen. In einem Teilprojekt mussten dafür alle mit anpacken, denn vier Wochen lang hieß es, alles zu wiegen, was beim Essen übrigbleibt. „Für die Fachkräfte in den Gruppen war das eine ganz schöne Herausforderung. Wer selbst Kinder hat, weiß, wie es beim Essen zugehen kann. Am Ende dann noch alle Reste zusammenzutragen und geordnet zu wiegen, ist keine leichte Aufgabe. Die Auswertung steht aktuell noch aus. Sicher ist aber, dass die erhobenen Daten dabei helfen werden, den Abfall weiter zu reduzieren“, so Edelhäußer.

Doch die AG hat noch viele weitere Punkte auf ihrem Plan, denn sie startete mit einer umfangreichen Aufgabenliste. Unterstützt wurde sie dabei von Hilmar Hofmann, der die Stabsstelle Nachhaltigkeit der Universität Konstanz leitet. 

„Ich konnte der neu gegründeten AG einen Überblick geben, was wir an der Universität Konstanz bereits für Nachhaltigkeitsmaßnahmen umsetzen und was davon auch für das Kinderhaus leicht umzusetzen wäre. Bei der Gelegenheit haben wir auch Schnittstellen zwischen Universität und Kinderhaus identifiziert und eine Basis für die gemeinschaftliche Weiterbearbeitung einzelner Themen geschaffen. Zudem tragen jährlich stattfindende, gemeinsame Treffen dazu bei, die umgesetzten Maßnahmen zu reflektieren, neue zu besprechen und kooperativ umzusetzen.“

Hilmar Hofmann, Leider der Stabsstelle Nachhaltigkeit

Eines der Projekte, von denen auch das Kinderhaus profitiert, ist der flächendeckende Ausbau der Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Universitätsgebäude. Zudem ermöglicht der gerade startende Bau einer neuen Energiezentrale mit Großwärmepumpen zukünftig die weitestgehend klimaneutrale Wärmeversorgung der universitären Gebäudeinfrastruktur zu dem auch das Kinderhaus gehört.

Auf der Aufgabenliste, man könnte sie auch Wunschliste nennen, stehen aber nicht nur große Ziele, sondern auch viele kleinere Maßnahmen, die sich im letzten Jahr zum Teil bereits einfach umsetzen ließen. So prüft beispielsweise der Abenddienst, ob alle Steckdosenleisten abgeschaltet worden sind, und bei der Neuanschaffung von Waschmaschinen und Trocknern wurde auf einen hohen Energiestandard geachtet. Nach einer ausführlichen Testphase hat das Kinderhaus zudem alle vor Ort genutzten Windeln und Hygienepapiere auf Öko-Produkte umgestellt. In sogenannten „alltagsnahen Bildungsanlässen“ führen die Fachkräfte die Kinder zudem an die Natur und an nachhaltiges Handeln heran, was auch auf dem kinderhauseigenen Instagram-Kanal anschaulich nachverfolgt werden kann.

Die Maßnahmen werden von den Eltern gut angenommen und viele von ihnen bringen sich in einzelnen Projekten aktiv ein. „Letztes Jahr haben wir gemeinschaftlich sogenannte Wetbags aus wasserfestem Stoff genäht“, erzählt Tanja Edelhäußer. „Die Kleidung der Kinder wird aus verschiedenen Gründen mal nass und muss gewechselt werden. Das nasse Outfit wurde den Eltern dann bisher in Plastiktüten verpackt mitgegeben. Auf das ganze Kinderhaus gerechnet kamen da mehrere hundert Tüten pro Monat zusammen, die nur einmal genutzt und dann entsorgt wurden.“ Eine Gruppe aus Eltern und Fachkräften fand sich schließlich zusammen und nähte 80 stabile, wiederverwendbare Wetbags. „Jetzt nehmen die Eltern die nasse Kleidung in diesen Taschen mit und bringen diese später einfach wieder zurück für den nächsten Einsatz. So können wir einiges an Müll einsparen“, freut sich Edelhäußer.

Gemeinsam neue Ideen entwickeln
Ein weiteres schönes Projekt ist für Tanja Edelhäußer auch das Tauschregal im Eingangsbereich: „Es ist so eine einfache Maßnahme und hat doch so eine breite Wirkung. Zum einen natürlich, dass dort Kleidung, Schuhe und Spielsachen zur Weiternutzung angeboten werden können, die man selbst nicht mehr braucht. Das gibt den Sachen eine längere Lebenszeit und sorgt für weniger Müll. Zum anderen lässt sich so aber auch den Kindern ideal vermitteln, dass nicht alles, was man selbst nicht mehr gebrauchen kann, gleich weggeworfen werden muss. Sie lernen, dass Dinge einen Wert haben, manchmal eben auch für andere.“ Diese Idee wird auch im Reparieren und Upcyclen weitergedacht, das die Kinder in der KiTa-eigenen Werkstatt ausprobieren können. Die Eltern wiederum helfen sich gegenseitig in Projektgruppen beim Reparieren kleinerer Schäden an Kleidung oder Spielzeug und greifen dabei auch auf das FabLab der Universität Konstanz zurück, das grundsätzlich allen zur Nutzung offen steht und unter anderem Näh- und Stickmaschinen bereithält. Und so entstehen im Miteinander immer wieder neue Ideen, wie Nachhaltigkeit im Kinderhaus weitergedacht werden kann und wie sich alle beteiligen können.

Weitere Informationen zur AG Nachhaltigkeit, den bereits umgesetzten Maßnahmen und geplanten Entwicklungen sind auf der Website der AG zu finden. Ein regelmäßiger Newsletter – der auch über den Instagram-Kanal des Kinderhauses veröffentlicht wird – informiert die Eltern über die Aktivitäten.
 

Mandy Haugg

Von Mandy Haugg - 30.01.2026