Gesellschaftliche Zerstörungswut

Das Unitheater Konstanz hat eine eindringliche Premiere von Neil LaButes Stück „Fettes Schwein“ vorgelegt

© Unitheater Konstanz

„Wahrheit und Lüge“ lautet das Thema der aktuellen Spielzeit des Unitheaters Konstanz, das nun mit einem starken Stück von Neil LaBute an den Start gegangen ist. „Fettes Schwein“ erzählt von dem Liebespaar Tom und Helen. Helens anziehende Ausstrahlung und ihr offener Umgang mit ihrem Körper stehen im Kontrast zu Toms Welt inmitten einer Gesellschaft, die Schönheitsidealen nacheifert.

Regisseur Thomas Fritz Jung hat das Stück für das Studierendenensemble gewählt, weil es den aktuellen Umgang der Menschen untereinander prägnant ins Bild setzt. Helen geht offen mit ihrem Körper um, das Thema Dicksein gibt es nicht zwischen den beiden, die von Lara A. Sauer und Sebastian Beck gespielt werden. Diese Selbstverständlichkeit „wird von der Gesellschaft kaputtgemacht“, sagt der Regisseur, der das Unitheater leitet.

© Fritz Jung

Thomas Fritz Jung leitet seit 2018 das Universitätstheater Konstanz. Er gehört seit der Spielzeit 2008/2009 dem Ensemble des Theaters Konstanz an. Begonnen hat er seine Theaterlaufbahn 1995 in Berlin. Neben seinem Engagement als Schauspieler arbeitet er als Regisseur, Projektleiter und Autor. Er entwickelte unter anderem das internationale Projekt „Hexenjagd“ als Kooperation mit dem Theater Mwezi Arts in Malawi.

Er schwört auf seine studentische Schauspielerin Lara A. Sauer, die mit ihrem Selbstvertrauen und Körperbewusstsein die Rolle der Helen prägt. Sebastian Beck indes „absolviert mit tollem schauspielerischem Gefühl diesen emotionalen Parcours“. Besagte Gesellschaft ist vertreten durch die vermeintlich befreundete Kollegenschaft Jeannie und Carter, die der Regisseur mit jeweils drei Schauspielerinnen und Schauspielern besetzt hat: Alicia Franc de Pommereau, Androniki Karipidou und Svenja Krimmer sowie Aaron Holland, Florian Maerker und Gereon Ohagen stellen mehr als zwei Individuen dar. „Der gesellschaftliche Druck wird erhöht“, sagt Thomas Fritz Jung. Zudem konnte er damit einem Umstand gerecht werden: Die Studierenden haben das Unitheater nicht nur als Publikum, sondern auch als Mitmachende neu entdeckt.

„Es war eine intensive Arbeit, aus der ein tolles Team hervorgegangen ist. Das war eine echte Bereicherung für die Inszenierung“, sagt der Regisseur, der selbst schon die Rolle des Carter gespielt und am Stadttheater Konstanz mit Neil LaBute zusammengearbeitet hat. Das Unitheater möchte mit der Inszenierung der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten, in dem zu sehen ist, wie brutal ihre Reaktionen auf Menschen sind, die nicht der Norm entsprechen und gar nicht daran denken, ihr nachzueifern. Die Verletzungen gehen tief.
Das Publikum der Premierenvorstellung hat den Blick in den Spiegel gewagt – und hat verstanden. Großartige Vorstellung.

Am kommenden Sonntag, 2. Februar 2020, folgt gleich die zweite Premiere eines Neil LaBute-Stückes. „B.A.S.H.“ besteht aus drei Monologen, Erzählungen über die Komplexität des Bösen im täglichen Leben, die von den Studierenden Stefan Gritsch, Leonie Hochgesand und Marlene Marek inszeniert werden.
Weitere Vorstellungen von „Fettes Schwein am 31. Januar, 1., 4., 5., 7., 8., 10. und 12. Februar 2020.
Premiere von „B.A.S.H.“ am 2. Februar 2020. Weitere Vorstellungen am 6., 9., 11., 13., 17. und 18. Februar 2020. Alle Vorstellungen beginnen um 19 Uhr.


 

Maria Schorpp

Von Maria Schorpp - 31.01.2020