Krisen und Integration in der EU

Konstanzer Politikwissenschaftler für seine Dissertation über die Wirkung von Krisenbewältigungsmechanismen innerhalb der Europäischen Union mit Südwestmetall-Förderpreis 2019 ausgezeichnet.

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Mit seinem Förderpreis würdigt Südwestmetall, der Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg, herausragende Leistungen des wissenschaftlichen Nachwuchses an den neun baden-württembergischen Landesuniversitäten. Dr. Hanno Degner, der als Postdoktorand am Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft arbeitet, ist 2019 der Konstanzer Preisträger. In einer feierlichen Veranstaltung wurde die Auszeichnung, die jeweils mit 5.000 Euro dotiert ist, vom Südwestmetall-Vorsitzender Dr. Stefan Wolf in Stuttgart an die neun PreisträgerInnen vergeben. „Einem exzellenten und leistungsfähigen Hochschul- und Wissenschaftssystem kommt eine Schlüsselrolle zu“, erklärte er in Anwesenheit von Theresia Bauer, der Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg.

Hanno Degner erhielt die Auszeichnung für seine politikwissenschaftliche Dissertation zu dem Thema „Crisis and Integration – Explaining Regional Integration in Europe in Response to Transboundary Crises 1993 – 2015“. Er hat mit der Arbeit, die von dem Konstanzer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Dirk Leuffen betreut wurde, „eine herausragende Untersuchung vorgelegt über die Wirkung von Krisenbewältigungsmechanismen innerhalb der Europäischen Union als Integrationsmotor der Staatengemeinschaft“, wie Südwestmetall verlauten lässt.

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Südwestmetall-Vorsitzender Dr. Stefan Wolf (links) und Dr. Hanno Degner, Südwestmetall-Preisträger der Universität Konstanz, bei der Förderpreis-Verleihung in Stuttgart.

Untersuchungsgegenstand ist der kausale Einfluss von Krisen auf Integration in der Europäischen Union (EU). Die übergeordnete Frage lautet: Führen Krisen zu tieferer Integration, und wenn ja, warum und wie? Um diese Frage zu beantworten, liefert Degners Studie eine detaillierte Analyse der Entscheidungsdynamiken auf der nationalen und der europäischen Ebene während dreier schwerer Krisen, die in den vergangenen 30 Jahren verschiedene Politikfelder der EU betroffen haben. 

„Ich habe die BSE-Krise in den 1990er Jahren, die Sicherheitskrise nach dem 11. September 2001 sowie die Euro-Krise von 2010 bis 2015 untersucht“

Hanno Degner

Er argumentiert, dass eine ausbrechende Krise zuvor ignorierte rechtlich-institutionelle Probleme der EU aufdeckt und ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit rückt. Die Behebung dieser Probleme wird dadurch für die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten zu einem sehr wichtigen und möglicherweise wahlentscheidenden Thema. Gut organisierte nationale Interessengruppen oder politische Eliten nutzen das resultierende Möglichkeitsfenster („Window of Opportunity“), um ihren Regierungen Vorschlägen für Politikwandel zu unterbreiten. Die Regierungen kalkulieren anschließend die materiellen und politischen Kosten der Vorschläge und wählen den für sie kostengünstigsten für die zwischenstaatlichen Verhandlungen mit ihren Partnern aus.

Angesichts enorm hoher Kosten einer Nicht-Einigung und hinsichtlich der Schwierigkeiten, grenzüberschreitende Krisen durch rein nationales Handeln zu lösen, verabschieden die europäischen Regierungen dann meistens tatsächlich Reformen, die die Integration der EU vertiefen. Jedoch handelt es sich dabei oft um Kompromisse auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, die die Saat einer neuen Krise bereits in sich tragen. „Es stimmt: Europäische Integration scheitert immer wieder. Aber sie scheitert vorwärts“, so Hanno Degner.

Faktenübersicht:

  • Dr. Hanno Degner erhält 2019 für die Universität Konstanz einen der neun Südwestmetall-Förderpreise, die jährlich an die baden-württembergischen Landesuniversitäten vergeben werden
  • Ausgezeichnete Dissertation zum Thema „Crisis and Integration – Explaining Regional Integration in Europe in Response to Transboundary Crises 1993 – 2015“
  • Preis des Verbands der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg ist mit 5.000 Euro dotiert
  • Für herausragende Leistungen des wissenschaftlichen Nachwuchses an jeder der neun baden-württembergischen Landesuniversitäten.

Dr. Maria Schorpp

Von Dr. Maria Schorpp - 18.04.2019