Ziel 2: Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern


Modernes Essverhalten wird im Allgemeinen verbunden mit dem Verzehr von tierischen Produkten sowie Fetten, Ölen und von Zucker. Mit diesen Nahrungsbestandteilen wird der weltweite Anstieg von Adipositas in Verbindung gebracht, weshalb modernes Essverhalten in der Kritik steht. Ein Ergebnis unseres von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts „Why people eat in a traditional or modern way: A cross-country study” lautet jedoch, dass modernes Essverhalten sehr vielfältig und facettenreich ist. Einige Facetten leisten bereits einen großen Beitrag zur Bekämpfung von Hunger und werden auch in Zukunft von Bedeutung sein.

Ganz davon abgesehen, dass die wohlhabenden Nationen heute nicht da wären, wo sie sind, wenn das Essverhalten nicht modernisiert worden wäre: Die größere Kalorienmenge, die modernes Essverhalten mit sich bringt, ist gut für Länder, in denen die Bevölkerung Probleme hat, ihren Tagesbedarf an Kalorien zu decken. Moderne Lebensmittel sind auch häufig haltbarer, was bei Lebensmittelknappheit sehr hilfreich ist, da so die Versorgung über das gesamte Jahr sichergestellt werden kann. Zudem ist die Lebensmittelsicherheit durch moderne Verarbeitungstechnologien angestiegen. Mit der Modernisierung des Essverhaltens geht auch die Optimierung der Lebensmittelproduktion einher. Das bedeutet, dass mit weniger Ressourcen mehr Nahrung erzeugt werden kann und mehr Menschen sich das auch leisten können. Auch die Internationalisierung des Speisenangebots ist hier von Vorteil, da sie mehr Vielfalt in die Nahrungsaufnahme bringt.

In einer von mir geleiteten Studie mit Arbeitsgruppen in weltweit zehn Ländern hat sich gezeigt, dass es nicht möglich ist, modernes Essverhalten insgesamt in gut oder schlecht zu unterteilen. Denn was in einem Land als modern gilt, kann in einem anderen Land traditionell sein. In Ghana gilt es beispielsweise als modern, Milchprodukte zu konsumieren oder am Ende der Mahlzeit ein süßes Dessert zu sich zu nehmen. Beides wird in Deutschland als traditionell verstanden. Momentane Trends in Deutschland, vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit regional und saisonal zu essen, werden übrigens einem postmodernen Essverhalten zugeordnet.

Dr. Gudrun Sproesser ist Postdoc in der Arbeitsgruppe Psychologische Diagnostik und Gesundheitspsychologie von Prof. Dr. Britta Renner der Universität Konstanz. Seit 2017 leitet sie das DFG-Projekt „Why people eat in a traditional or modern way: A cross-country study”. In diesem Forschungsprojekt geht es um die Fragen, was traditionelles und modernes Essverhalten in zehn verschiedenen Ländern ausmacht und welche Motive diesem Essverhalten zugrunde liegen.


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Dr. Gudrun Sproesser

Von Dr. Gudrun Sproesser - 14.05.2020

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